Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende KI-Regulierung. Er ordnet KI nach Risiko ein und gilt nicht nur für Anbieter, sondern auch für Betreiber – also praktisch jedes Unternehmen, das KI einsetzt, auch wenn es die Systeme nur nutzt. Maßgeblich ist die Frage: Wie setzen Sie KI ein?
Der AI Act unterscheidet vier Risikoklassen: verbotene KI (z. B. Social Scoring, manipulative Systeme), Hochrisiko-KI (z. B. Recruiting bzw. Bewerber-Screening, Kreditvergabe, kritische Infrastruktur, Medizin, Bildung), begrenztes Risiko (z. B. Chatbots und KI-generierte Inhalte – mit Transparenzpflichten) und minimales Risiko (z. B. KI für interne Texte – kaum Anforderungen). Die meisten KMU bewegen sich im begrenzten oder minimalen Bereich.
Was bereits gilt (Stand Juni 20206): Seit Februar 2025 sind verbotene Praktiken untersagt und die KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) in Kraft – unabhängig von der Unternehmensgröße. Wer beruflich ChatGPT, Copilot, Claude & Co. nutzt, muss sicherstellen, dass die Mitarbeitenden Chancen, Grenzen und Risiken ausreichend verstehen. Seit August 2025 gelten zusätzlich Regeln für allgemeine KI-Modelle (GPAI).
Der Zeitplan für die schweren Hochrisiko-Pflichten wurde durch den „Digital Omnibus“ entschärft: Statt August 2026 greifen sie für eigenständige Hochrisiko-Systeme voraussichtlich ab Dezember 2027, für in Produkte eingebettete Systeme ab August 2028; Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte folgen Ende 2026. (Stand: politische Einigung Mai 2026, formale Verabschiedung für Sommer 2026 erwartet.)
Die Bußgelder sind DSGVO-ähnlich erheblich – bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Was Unternehmen jetzt tun sollten: KI-Inventur (welche Tools, wer, wofür?), Risikoklassifizierung, eine schlanke KI-Richtlinie, Mitarbeiterschulung zur KI-Kompetenz sowie Transparenz bei Chatbots und KI-generierten Inhalten. Für die meisten Mittelständler ist nicht die juristische Tiefe das Problem, sondern eine dokumentierte, gelebte KI-Governance – genau hier setzt der AI Act schon heute an.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung.












